Der Masterstudiengang Umweltschutz veranstaltet am 3. Dezember 2021 seinen 32. Umwelttag, dieses Mal zum Thema „Internationaler Umweltschutz

Klimawandel, endliche Ressourcen, Umweltverschmutzung und die sozio-ökonomische Ungleichverteilung sind zentrale Herausforderungen unserer Zeit und erfordern in zunehmendem Maße die Aufmerksamkeit und das Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf globaler Ebene. Die lokalen Ursachen, wie auch die direkten Auswirkungen dieser komplexen Problemstellungen auf Mensch und Umwelt, nehmen dabei regional äußerst unterschiedliche Formen und Intensitäten an. Eine universelle Einheitsmethode für Umweltschutz ist daher weder zielführend noch umsetzbar. Vielmehr müssen für erfolgreiche Strategien lokale Randbedingungen berücksichtigt werden. Der Umwelttag soll durch Fachbeiträge mit Bezug auf verschiedene Regionen der Welt einen Einblick in den internationalen Umweltschutz verschaffen und Impulse für nationale und regionale Lösungsansätze geben.

Ökosystem Stadt

- virtuelle Tagung an Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) thematisierte Konzept „Grüne Infrastruktur“ -

Vorzeigeprojekt „Grüne Infrastruktur“ in Nürtingen: Grünflächen und Fischtreppe am Neckar. (Foto: Stadt Nürtingen)

NÜRTINGEN. (hfwu). Was ist mit dem Begriff „Grüne Infrastruktur“ gemeint, wie ist es mit der praktischen Umsetzung bestellt und welche Ansätze zeigt die Forschung auf? Mit diesen Fragen befasste sich der „Umwelttag“ an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU).

Parks und Grünflächen, Schrebergärten, Urban Gardening, Gebäudebegrünung, aber auch Maßnahmen zur Versickerung, Kühlung oder Verbesserung der Luftqualität gehören zur Grünen Infrastruktur. „Hinter dem Begriff steckt der Gedanke, dass Ökosysteme und ihre Leistungen ebenso wie die technische Infrastruktur für die Entwicklung eines Landes unverzichtbar sind und maßgeblich zum Wohlergehen der Menschen beitragen“, erläuterte Prof. Dr. Roman Lenz. Für den Dekan der Fakultät Umwelt Gestaltung Therapie an der HfWU steht außer Frage: „Auch Städte sind Ökosysteme“.

Sein Referat machte den Auftakt zum „Umwelttag“, der in seiner 31. Auflage erstmals virtuell durchgeführt wurde. Veranstalter ist der HfWU-Masterstudiengang Umweltschutz, der in Kooperation mit der HFT Stuttgart und den Hochschulen Esslingen und Reutlingen angeboten wird.

Für Lenz steht die Erhaltung der Biodiversität an erster Stelle, damit diese Ökosysteme ihren vielfältigen Beitrag zur städtischen Lebensqualität leisten können. „Dabei wird gern übersehen, dass die Biodiversität im urbanen Raum erhebliche Potenziale hat“, so Lenz. Oft sei in den Städten mehr Artenvielfalt zu finden als auf intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen. Generell sei man aber beim Thema Biodiversität noch weit von den gesteckten Zielen entfernt. Als Beiträge der HfWU zur Grünen Infrastruktur im städtischen Raum benannte der Agrarbiologe und Professor für Landschaftsplanung aktuelle Forschungsprojekte zusammen mit dem Landesverkehrsministerium oder der Stadt Laupheim. Auch die feste Verankerung des Themas in verschiedenen Studiengängen der HfWU oder das Mitwirken der Hochschule im Kompetenzzentrum Gebäudebegrünung und Stadtklima gehören dazu.

Auf die konkreten Herausforderungen aus Sicht der Stadt Nürtingen ging Susanne Mehlis, Leiterin des Stadtplanungs- und Umweltamts, und der Grünflächenexperte Bastian Kuthe ein. „Bei der erforderlichen Nachverdichtung in Bestandsgebieten brauchen wir grundsätzliche, vereinheitlichende Lösungen“, so Mehlis. Dabei sei aber auch gefordert, Identität und besondere Stadtteilprofile zu berücksichtigen: Welche Quartiere erlauben eine individuelle Nachverdichtung, wo bedarf es Regelwerke? „Klimarelevante Kriterien wollen wir höher bewerten“, verspricht Mehlis und auch mehr Artenvielfalt. „Derzeit wird die Biodiversitätsstrategie der Stadt auf den Weg gebracht“, so die Stadtplanerin. Ein Fazit ihrer Vorstellung des Rahmenplans der städtischen Innenentwicklung: Um zu ausgewogenen Lösungen zu kommen, kommen Stadtplaner künftig nicht umhin, zu einem gewissen Maß auch Experten bezüglich anderer Aspekte, etwa sozialen und ökologischen, zu werden.

Der Grünplanungsexperte Bastian Kuthe gab einen Überblick, was alles schon Bestand hat in Sachen Grüner Infrastruktur in Nürtingen, zum Beispiel die 2014 fertiggestellte Fischtreppe am Neckar. Überhaupt sei es ein Vorteil, dass die Innenstadt unmittelbar an den Fluss grenze. Anderseits verfüge die Stadt über eine historisch vergleichsweise eng bebaute Innenstadt und wenig nutzbare Freiflächen.

Wie die Stadtplanerin Susanne Mehlis sieht auch der Gebäudebegrünungsexperte Kilian von Lier die Notwendigkeit den Blick zu erweitern. „Wir müssen die Definition von Grüner Infrastruktur weiter fassen“. Er fordert Schnittstellen und den Austausch zu suchen, etwa auch auf Themenfeldern wie Mobilität, Architektur oder Kreislaufwirtschaft. Von Lier, der derzeit an der HfWU und der Uni Darmstadt promoviert, stellte vielfältige Lösungsstrategien aus der angewandten Forschung bei der Bauwerksbegrünung vor. Für ihn ist die Grüne Infrastruktur generell ein Motor des Wandels. „Im Grunde geht es hier um die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen.“

Diese Zukunft wird aller Voraussicht nach wesentlich vom Klimawandel und dessen Einfluss auf das Stadtklima bestimmt sein. Auf die Tragweite der Entwicklung dieser Rahmenbedingung wies zum Abschluss der Fachtagung Prof. Dr. Jürgen Baumüller von der Uni Stuttgart hin. „Hitzewellen und besonders heiße Sommer töten lautlos“, so ein Befund von Baumüller. Derzeit sei die Zahl der Corona-Toten allgegenwärtig. Oft aber vergessen werde, dass es etwa im Sommer 2018 auch annähernd 2000 wärmebedingte Sterbefälle gab.

Neben den Fachreferaten ist die Vergabe der Preise im Masterstudiengang Umweltschutz fester Bestandteil der Tagung. Vom Informationszentrum Beton GmbH erhielten die besten Absolventinnen und Absolventen den „Umweltpreis“, Auszeichnungen für hervorragende Leistungen im Studiengang gab es zudem vom Dachbegrünungsspezialisten Zinco.

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