Nachhaltigkeitsmacher in der Future.Box

- Nachhaltigkeitsfest stellt lokale Akteure vor; Referat der Nürtinger Klimaschutzmanagerin, Gelegenheit für Austausch und Netzwerken -

Prof. Dr. Erskin Blunck, Prof. Dr. Christian Arndt und Tamara Fischer (v.l.) wurden den online Teilnehmenden live zugeschaltet.

Das Nachhaltigkeitsfest war die erste öffentliche Veranstaltung in der neuen „Future.Box“ in Nürtingen.

NÜRTINGEN (hfwu). Beim „Nachhaltigkeitsfest“ an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) stellten lokale Initiativen ihre Ideen und Projekte vor: von der biologischen Lebensmittelverpackung über die studentische Unternehmensberatung und die Vernetzungsplattform „Gutes Morgen zusammen“ bis zum Wohnungstausch gegen Hausgeld. In ihrem Referat appellierte die Nürtinger Klimaschutzmanagerin an die Verantwortung der Konsument*innen. Und am Schluss wartete auf alle noch ein Experiment.

In diesem Sommersemester bot das Studium generale an der HfWU in einem eigenen Block einen „Marktplatz“ für Akteure, die sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen. So will die Hochschule regionale Aktivitäten sichtbar machen. Das „Nachhaltigkeitsfest“ bildete den Abschluss der Reihe. Als Referentin konnte das Team um Dr. Christian Arndt und Dr. Erskin Blunck Tamara Fischer gewinnen, die Klimaschutzmanagerin der Stadt Nürtingen. Die beiden Professoren leiten an der HfWU das Projekt „Zukunft.Gründen“ (ZuG), das Firmengründungen im Themenfeld Nachhaltigkeit unterstützt. Das Nachhaltigkeitsfest war zugleich Startschuss für die „Future.Box“, die neu eingerichtete Lokalität in der Hechinger Straße 12 in Nürtingen. Sie soll künftig Anlaufstelle sein rund um das Thema nachhaltige Firmengründung, einen informellen Austausch und Co-Working ermöglichen, gründungsbezogene Lehrveranstaltungen anbieten und Lehrwerkstatt werden.

Für Christian Arndt geht es auf der lokalen, regionalen wie der globalen Ebene grundsätzlich darum, wirtschaftliche Wertschöpfung zu erzielen und dabei die planetarischen Grenzen einzuhalten. Mit der noch unterschätzten Dringlichkeit der ökologischen, sozialen und ökonomischen Herausforderungen werde es immer wichtiger, tatsächlich ins Handeln zu kommen. Gerade dies soll mit ZuG und der Future.Box befördert werden.

Der lokalen Ebene, insbesondere den Kommunen, kommt bei der Bewältigung der Klimakrise eine Schlüsselrolle zu. Davon ist die Nürtinger Klimaschutzmanagerin überzeugt. „Die Kommunen sind diejenigen, die die politischen Vorgaben umsetzen müssen“, so Tamara Fischer. Die Stadt Nürtingen habe sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 die Pro-Kopf-CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um die Hälfte zu reduzieren. Derzeit verursachten in Nürtingen allein die Haushalte und der Verkehr rund zwei Drittel der Emissionen. Fischer sieht aber vor allem auch die Bürger*innen in der Pflicht. „Die Konsumentinnen und Konsumenten haben unglaublich viel Macht. Mit ihren Kaufentscheidungen können sie etwas verändern.“ Es gehe nur zusammen. Die Kommune könne die riesen Aufgabe, den Klimawandel zu bewältigen, alleine nicht schaffen. Ihrem Referat folgten die „Pitches“ der Initiativen, die sich vor Ort in der Hechinger Straße eingefunden hatten. Die Kurzvorstellungen wie die gesamte Veranstaltung wurden für alle online Teilnehmenden live übertragen.

Stephan Müller stellte den Verein CARS student consulting, Sarah von Querfurth das (Konsum-)Forschungsprojekt „Trans4mation Fridays for Future“ vor. Clara Schweizer beschrieb die zahlreichen Aktvitäten der Fridays for Future-Gruppe vor Ort in Nürtingen. HfWU-Professor Dr. Roman Lenz informierte zur Gemüse-Sortenrettungsinitiative „Genbänkle“. Andreas Bulling stellte „Gutes Morgen zusammen“ vor, eine Austauschplattform und Veranstaltungsformate, die verschiedene Nachhaltigkeitsakteure zusammenbringt. „Jugend Bewegt!“ ist ein Bündnis junger Menschen in Nürtingen, das regelmäßig Aktionen organisiert, darunter eine monatliche Müllsammelaktion, wie Jan David Grebe berichtete. Anne Leuthold präsentierte den Nürtinger Unverpacktladen und die Genossenschaft Glas & Beutel, Kunal Singhania die Idee, mit biologisch abbaubaren Materialien Lebensmittelverpackungen herzustellen. Wie können sich die Studierenden an der HfWU für eine umweltbewusstere und sozial gerechtere Hochschule einsetzen? Das ist der Leitgedanke der Studierendeninitiative StuNa, wie Hannah Römpp zeigte. Heinz Stickel erläuterte seine Idee „Wohnungstausch gegen Hausgeld“, die jenseits von Immobilienmarktpreisen ein bedarfsgerechtes Wohnen ermöglichen soll. Zum Abschluss der Pitches informierte Gerhard Schwenk, Vorstand der Nürtinger Stiftung Ökowatt, über die vielfältigen Aktivitäten der Organisation zur Förderung des Umwelt- und insbesondere des Klimaschutzes.

Die Mehrheit der rund 50 Teilnehmenden, die nicht vor Ort sondern bis dahin via Zoom an der Veranstaltung teilnahmen, erwartete nach den Kurzpräsentationen „ein besonderes Experiment, das die virtuelle Interaktion auf ein neues Level hebt“, so Christian Arndt. Von der herkömmlichen Konferenz-Plattform Zoom wurde zu Wonder gewechselt. Die Software ermöglicht Anwender*innen in der Gestalt von individuellen Avataren, sich im virtuellen Konferenzraum zu tummeln, ins Gespräch zu kommen und spontan Kontakte zu knüpfen. Ein Großteil der Nachhaltigkeitsfestgäste ließ sich auf das Experiment ein und tat genau das, was die Veranstaltung selbst bezwecken sollte und auch alle der präsentierten Initiativen unterstrichen: Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit kommt es insbesondere darauf an, sich zu vernetzen und an einem Strang zu ziehen.

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