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Gründergeist für eine gerechtere Welt

- Veranstaltung im Studium generale der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) stellte Initiativen in der Entwicklungszusammenarbeit vor -

Die Organisatoren und Referenten der Studium-generale-Veranstaltung: Carina Plach, Prof. Dr. Christian Arndt sowie Jana Boahene, Jannik Haenel, Pit Lohse, Julia Rieger und Lena Wimmer.

eQuip Magu-Macher Jannik Haenel

„Social Urban Nature“-Kreativdirektorin Nana Serwaah Boahene

NÜRTINGEN(hfwu). Unter dem Titel „Gründergeist für eine bessere Welt“ stellten sich an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) Initiativen aus dem Bereich der Entwicklungszusammenarbeit vor. Mit dabei und live zugeschaltet aus Gambia die Macher einer Kinderkulturwerkstatt entsprechend dem Nürtinger Vorbild.

Was ist eine gerechte Welt? Diese Frage steht an diesem virtuellen Studium-generale-Abend an der HfWU im Raum. Unmissverständlich formuliert Nana Serwaah Boahene ihre Antwort: „Das System des Kapitalismus mit seiner Ausbeutung im globalen Süden ist nicht kaputt – es funktioniert immer noch bestens“, so die Kreativdirektorin bei „Social Urban Nature“, einem Sozialunternehmen mit Sitz in Stuttgart und Ghana. „Im Norden ist die gängige Vorstellung von Wirtschaften nach wie vor an Profit und Wachstum orientiert. Soziale oder Nachhaltigkeitsaspekte sind nachrangig“, sagt Boahene. Unternehmen in Afrika würden Marktzugänge, etwa in die EU, versperrt. Und von den Industrieländern nach Afrika exportierte Billigwaren und Restprodukte machten es vor allem Kleinunternehmern oft unmöglich, für eigene Produkte einen Absatzmarkt zu finden. „Wir brauchen einen kollektiven Bewusstseinswandel und eine sektorenübergreifende Zusammenarbeit“, fordert die Stuttgarterin, „dafür sind Formate des Zusammenfindens und Netzwerkens wie das heute Abend wichtig.“

Bewusstseinswandel heißt auch Kooperation auf Augenhöhe. Darauf weist Prof. Dr. Christian Arndt hin. „Heute geht es nicht mehr um ‚Entwicklungshilfe‘ und um Almosen, sondern um echte Entwicklungszusammenarbeit“, so der Leiter des Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (ZNE) an der HfWU. Die Dringlichkeit dafür sei größer denn je: Seit Jahren wachse die globale Armutsrate. Nun komme eine globale Gesundheitskrise und eine Bildungskrise hinzu, all das im Süden noch durch den Klimawandel verstärkt. „Start-ups können hier wie Schnellbote wirken: sie sind flexibel, agil und tragen zu schnellen Veränderungen vor Ort bei.“

Eine Antwort, die Lena Wimmer auf die Frage nach der gerechten Welt gibt, lautet: „Eigentlich sind alle Unternehmen soziale Unternehmen“. Viele soziale und ökologische Aufgaben könnten auch von Unternehmen, nicht nur von nicht-kommerziellen Organisationen, gelöst werden. Wimmer ist Expertin für Projektentwicklung und Strategie bei der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ). Auch bei der vom Land gegründeten Einrichtung gehöre die Bewusstseinsbildung zu den wichtigsten Zielen, erläutert die Projektmanagerin das Aufgabenfeld der SEZ. Ein weiterer Schwerpunkt liege bei der Projektförderung, insbesondere auch von Sozialunternehmen, sowie beim Erfahrungsaustausch im Land und mit den Initiativen vor Ort in den Entwicklungsländern.

Eine gerechtere Welt schaffen, im Prinzip ist das einfach und es kann jeder, sagt Jannik Haenel. „Wenn jeder die Ressourcen nutzt, die er übrighat, um Menschen in seinem Umfeld oder an irgendeinem anderen Ort zu unterstützen, dann kann jeder die Welt verändern“. Irgendein anderer Ort, für Haenel ist das Magu, ein Dorf in Ruanda. Die Idee, in Magu etwas auf die Beine zu stellen, entsteht zusammen mit Vital. Ihn lernt Haenel in Stuttgart kennen. Er stammt aus Magu. Im Rahmen von Haenels BWL-Abschlussarbeit an der HfWU gewinnt die Idee Konturen. Schließlich wird daraus „eQuip Magu – education for future“. Ziel ist es, in dem ruandischen Dorf eine Infrastruktur für bessere Bildungsmöglichkeiten aufzubauen. Das Pilotprojekt startet im Juni dieses Jahres. Auf der Dorfkirche wird eine Solaranlage installiert, ein Grundstück wird erworben. In drei Stufen soll zuerst ein Bildungszentrum aufgebaut werden, dann ein Ausbildungszentrum für verschiedene Handwerksberufe entstehen und schließlich im letzten Schritt Arbeitsplätze.

Geht es Haenel um Zukunftschancen vor allem für Erwachsene, so sind bei den Nürtingern Pit Lohse und Julia Rieger Kinder und Jugendliche im Blick. „Uns leitet die Frage, was der Mensch braucht, um gelingend aufzuwachsen, sich weiterzuentwickeln, zusammen mit anderen“, sagt Pit Lohse. Hier setzte ihre nicht-formale Bildungsarbeit an. „Jeder Mensch sollte die Chancengleichheit und Freiheit haben, die eigenen Talente zu entwickeln und für ein Gemeinwohl einbringen zu können“, ergänzt Julia Rieger. Lohse und Rieger sind live aus Bakoteh in Gambia zugeschaltet und berichten von ihrem Engagement vor Ort. In Bakoteh unterstützen sie derzeit als Initiatoren des „Children Cultural Centers" von Namél e.V. den Aufbau einer Kinderkulturwerkstatt. Das ist ihre Antwort auf die Frage nach einer besseren und gerechteren Welt.

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