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Die Entwicklung der Lateralität und des Cognitive Bias vom Fohlen bis zum Jungpferd

 

 

Zusammenfassung

Seitens der Wissenschaft und der Öffentlichkeit besteht ein wachsender Bedarf für nicht-invasive Stressindikatoren zur Beurteilung des Tierwohls. Verhaltensmethoden wie die Beobachtung von Verschiebungen in der sensorischen und motorischen Einseitigkeit, der Lateralität, und der kognitiven Verzerrung, dem Cognitive Bias, gelten für diesen Zweck bei Pferden, in Kombination mit nicht-invasiven physiologischen Stressindikatoren, als besonders nützlich.

Für diesen Zweck bieten die motorische und sensorische Lateralität einen Einblick in die stressbedingte Veränderung der Lateralität der Gehirn Hemisphären und der Cognitive Bias in eine stressbedingte Verschiebung von einer optimistischen zu einer pessimistischen Wahrnehmung.

Der Status der Lateralität und der kognitiven Verzerrung der Tiere nach der Geburt sowie deren Entwicklung in der frühen Lebensphase sind jedoch bisher nicht ausreichend erforscht und stehen daher im Mittelpunkt der vorliegenden Studie.

 

Die Studie untersucht drei Schwerpunkte aktueller Debatten: a) ob motorische und sensorische Lateralität bei Fluchttieren wie Hauspferden (Equus caballus) bereits zum Zeitpunkt der Geburt entwickelt sind und, falls ja, b) ob Stress in der frühen Lebensphase Veränderungen der sensorischen und motorischen Lateralität sowie der kognitiven Verzerrung bei Pferden hervorruft, und c) ob sich Veränderungen der Lateralität und der kognitiven Verzerrung von der Geburt bis zum 18. Lebensmonat eines Pferdes über mehrere Stressereignisse in Form eines stufenförmigen (kontinuierlichen) Anstiegs oder in Form eines wellenförmigen (zeitlichen) Anstiegs mit Erholungsphasen zwischen jedem einzelnen Stressereignis entwickeln. Diese Veränderungen sollten sich auch in der Veränderung der physiologischen Stressparameter, den Glukokortikoidmetaboliten und dem Calprotectin, widerspiegeln. Die Studie basiert auf einer von den Antragstellern im Vorfeld betreuten und unter vergleichbaren Bedingungen durchgeführten Vorstudie im Haupt- und Landgestüt Marbach, bei der jedoch dreijährige Pferde untersucht wurden.

Im Rahmen des vorliegenden experimentellen Ansatzes werden 48 Versuchspferde von der Geburt bis zum 18. Lebensmonat untersucht. Der Ansatz umfasst eine Gruppe mit geringem Stressniveau, die auf dem Gestüt lediglich unvermeidbaren Stressoren ausgesetzt wird (das Absetzen der Fohlen und ein Ortswechsel), und eine Gruppe mit erhöhtem Stressniveau, die vier Stressoren ausgesetzt wird (eine Fohlenschau, das Absetzen der Fohlen und ein Ortswechsel mit Transport). Alle drei Monate sowie vor und nach den Stressereignissen werden Feldbeobachtungen und Videoaufnahmen durchgeführt, um die sensorische und motorische Lateralität sowie das Sozialverhalten umfassend zu erfassen. Zusätzlich werden Glukokortikoidmetaboliten und Calprotectin aus Kotproben analysiert. Tests zur kognitiven Verzerrung werden im 18. Lebensmonat durchgeführt.

Die anonymisierten Daten werden auf den Datenserver des Kooperationspartners, der  Universität Hohenheim, hochgeladen, gemäß einem Datenmanagementplan verwaltet und schließlich in einem Datenrepositorium, veröffentlicht. Für die statistische Analyse wird die Statistiksoftware R sowie das eigens angepasste R-Software-Paket „Dominance“ verwendet. Es werden der soziale Rang der Tiere mit einem Average Dominance Index (ADI) sowie die sozialen Banden der Pferde und ausgewählte Sozialverhalten dargestellt. Um Einflussfaktoren und die Bedeutung der auftretenden Stressoren darzustellen, wird zunächst eine Hauptkomponentenanalyse durchgeführt. Damit werden überlappende Daten an bestimmten Eigenvektoren identifiziert. Überlappende Hauptkomponenten und relevante Einflussfaktoren werden anschließend mit multivariaten Verfahren analysiert: MANOVA und GLM für parametrische Daten bzw. GzLM und GLMM für nicht-parametrische Daten. Alle Forschungsdaten und Ergebnisse der Studie werden als Open-Access-Veröffentlichungen mit wissenschaftlichem Gutachterverfahren publiziert.