NÜRTINGEN (hfwu). Welche Rolle kann Achtsamkeit als Motor für die Zukunft und für Innovationen spielen? Um diese Frage ging es beim „HfWU Zukunftsforum“, einer Veranstaltung der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) im Rahmen des Studium generale.
Achtsamkeit findet seit langem in vielen gesellschaftlichen Bereichen Beachtung. Beim „HfWU Zukunftsforum“ in Nürtingen sollte beantwortet werden, wie diese Haltung konkret funktioniert – auf individueller, zwischenmenschlicher und auf Unternehmensebene, so HfWU-Professor Dr. Christian Arndt in seiner Einführung.
Gerade in bewegten Zeiten und bei neuen Herausforderungen kann ein großes Potenzial darin liegen, grundsätzlich neue Zugänge zu Problemlösungen zu finden. „Achtsamkeit kann eine Möglichkeit sein, Dinge wesentlich anders zu betrachten“, erläuterte Prof. Dr. Martina Weifenbach in ihrem Impulsbeitrag "Transformation entsteht miteinander". „Innovation in Verbindung mit Achtsamkeit schafft Klarheit“, ist Weifenbach überzeugt. Die Klarheit wiederrum sei nötig für Richtungsentscheidung in Unternehmen. Gerade auch für Start-ups, junge Firmengründungen, berge dies eine Ressource für Resilienz und Schutz vor Erschöpfung, so die Professorin für Innovation und Entrepreneurship an der HfWU. Die Buchautorin und Unternehmensberaterin wies aber auch darauf hin, dass es bei Veränderung nicht nur um die persönliche Dimension gehe, sondern immer auch um strukturelle und systemische Rahmenbedingungen.
Diese nahm Prof. Dr. Mike Sandbothe ins Visier. „Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ihrer Lebensenergie, den schrittweisen Zusammenbruch des alten Systems zu managen?“, so seine vom Wirtschaftswissenschaftler Claus Otto Scharmer entliehene Frage an das Publikum, „wieviel Energie wirklich Neues hervorzubringen?“ Der Professor für Kultur und Medien an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena regte an, Achtsamkeit aus einer übergeordneten Systemperspektive, mit Blick auf die eigene Organisation zu betrachten. Als Hochschullehrer sei sein grundsätzliches Lehrverständnis das einer „vertikalen Bildung“. Eine Bildung, die Geist, Herz und Körper verbinde, so der Gründer der Kooperationsplattform Achtsame Hochschulen.
Experte für die Nutzung der Potenziale der Achtsamkeit für Unternehmen ist Christoph Müller-Höcker. Der Achtsamkeitstrainer und Group Mindfulness Lead des Allianz-Konzerns sprach zum Thema „Als bewusster Mensch das KI-Zeitalter gestalten“. Für Müller-Höcker steckt in der rapiden Entwicklung der Künstlichen Intelligenz eine Chance. Denn die KI werfe eine fundamentale Frage auf, die sie selbst nicht beantworten kann: Was soll den Menschen ausmachen? Es sind Metakompetenzen wie Regulieren, Verbundenheit und Fokusfähigkeit, so die Antwort des Soziologen. Und diese Fähigkeiten könne man trainieren und so zu einer „anderen Art des Selbst“ kommen. Diese hilft, sich auf Veränderungen einzulassen. „Organisationen wollen zu allererst Stabilität“, erklärte der Achtsamkeitsexperte. „Unser Selbst bewusst“, so die Wortkonstruktion von Müller-Höcker, ermögliche es, dem entgegen, „sich mutig zu öffnen, statt sich zu verstecken oder zurückzuziehen.“