NÜRTINGEN (hfwu). VfB ist Fußball. Und Moorschutz, Kreislaufwirtschaft, Demokratieförderung, Biodiversität, Mülltrennung und Gebrauchtrasen-Weiterverwertung. Dass der Fußballverein auch beim Thema Nachhaltigkeit ganz vorne spielt, das zeigte ein Vortrag im Rahmen des Studium generale an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen.
Wie der VfB Stuttgart ökologische Transformation, gesellschaftliches Engagement und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit verbindet, erläuterte Steffen Lindenmaier. Auch wenn der Begriff Nachhaltigkeit schon etwas verbrannt sei, so der Leiter der Stabsstelle Nachhaltigkeit beim VfB, seine Bedeutung habe er deswegen nicht verloren. Wie die konkrete Umsetzung beim VfB aussieht, zeigte Lindenmaier anhand zahlreicher Beispiele. Auch deren Wirkung dürfte nachhaltig sein. Der VfB ist mit über 130.000 Mitgliedern der größte Verein in Baden-Württemberg und zählt 650 Fanclubs, so der Referent.
Die Deutsche Fußball Liga (DFL), der Interessensverband der Männer-Fußball-Vereine in der 1. und 2. Bundesliga, hat verbindliche Nachhaltigkeitskriterien als festen Bestandteil für die Spielberechtigung in der Bundesliga verankert. Diese Regulatorik helfe, das Thema strukturell im Verein zu implementieren, führte Lindenmaier aus. Das zeigen die seiner Stabsstelle Nachhaltigkeit nachgeordneten fest installierten Arbeitsgruppen. Etwa zu den Themen Abfallmanagement, Energie, Wasser, Sorgfaltspflichten oder „Interner Ideenraum Nachhaltigkeit“. Zudem ergänzt ein Expertenrat mit internen und externen Fachleuten die Arbeitsgruppen.
Auf dem Rasen im Stadion steht nach einem Starkregen das Wasser einen Meter hoch. Heftige Gewitterstürme. Brüllende Hitze auf den Rängen im Sommer. Wie man sich auf solche Risiken im Zuge des Klimawandels konkret vorbereiten kann, auch das gehört zur Nachhaltigkeitsstrategie des Fußballvereins. Eine nachhaltige Mobilität kann dazu beitragen, die Folgen des Klimawandels abzumildern. Für die CO2-Bilanz des VfB sind die jährlich mehr als eine Million Fans, die zu den Heimspielen kommen, der größte Faktor, erläuterte Lindenmaier. 65 Prozent reisen klimaschonend an, zeige eine Umfrage. An Heimspieltagen gilt das VfB-Ticket als Kombi-Ticket für den gesamten öffentlichen Nahverkehr in und um Stuttgart. Ein „Umweltgroschen“, eine Abgabe auf Dauer- und Tageskarten bei Heimspielen, kommt gezielten Maßnahmen zur Klimaanpassung zugute.
Viele der Maßnahmen und Engagements des Vereins in Sachen Nachhaltigkeit konnte der Referent nur stichwortartig streifen. Zum Beispiel das „VfB-Moor“, eine Initiative zu Wiedervernässung eines Feuchtgebiets bei Isny. Oder Vorgaben für Good Governance und Compliance Management, die Befassung mit Lieferketten, Kinder- und Jugendschutz. Nicht zuletzt das Projekt „VfB-Erde“, die Weiterverwendung von gebrauchtem und aufbereitetem Stadionrasen, der kostenlos an Kitas, Schulen und soziale Einrichtungen abgegeben wird, oder die „VfB-Stiftung“, die von Lindenmaier geleitet wird, die unter anderem mit einer „Bildungsrallye“ in Schulen Bildung, Demokratieverständnis, Inklusion und soziale Teilhabe fördert.
„Natürlich geht es beim VfB in erster Linie um Fußball“, so Lindenmaier zum Abschluss des Vortrags im Studium generale der HfWU. Die Herausforderung sei, dem Thema Nachhaltigkeit gebührenden Raum zu verschaffen. In sportlich und damit auch wirtschaftlich guten und schlechteren Zeiten. Stand jetzt scheint dies dem Verein in beeindruckend vielseitiger Weise zu gelingen.