Wie sieht eine Zukunft für Bestäuber im urbanen Raum aus? Diese Frage stand im Mittelpunkt der dritten Bienenkonferenz an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) – keiner gewöhnlichen Fachtagung, sondern einer Veranstaltung von und für Schülerinnen und Schüler in Zusammenarbeit mit Experten und Praktikern. Das Format kommt an. Bei der dritten Ausgabe gab es einen neuen Rekord bei der Zahl der Teilnehmenden.
Die rund 120 Teilnehmenden – rund 70 Schülerinnen und Schüler, 25 Lehrerinnen und Lehrer von 16 Schulen aus einem Umkreis von Rottenburg über Ulm bis Heidenheim – waren auf dem Hochgut Tachenhausen, dem Lehr- und Versuchsbetrieb der HfWU bei Oberboihingen zusammengekommen. Begrüßt wurden die Nachwuchswissenschaftler:innen von Professorin Dr. Heike Mayr-Lang, Prorektorin für den Bereich Transformation und Innovation.
Die Agrarwissenschaftlerin Professorin Dr. Barbara Banzhaf stellte als dessen Leiterin das Bienenzentrum der Hochschule beim Hofgut vor und die in seinem Umfeld aktuell neu entstehenden Projekte, so eine E-Bike-Station (ein Projekt der Phillip-Matthäus-Hahn Schule Nürtingen) als neuer Startpunkt des Zentrums und den Bau einer Trockenmauer zur Förderung der Vielfalt von Insekten und Kleintieren. Organisiert hatten die Veranstaltung die HfWU-Mitarbeiterinnen Anne Pollmann und Martina Misoph im Rahmen des Projekts "Schulkooperationen".
Den ersten Fachvortrag steuerte Freya Zettl bei. Die Landschaftsökologin erläuterte die weitrechende Rolle der Bestäubung durch die Insekten – nicht nur für die Pflanzen generell, sondern insbesondere auch für die Agrarwirtschaft. Mit der konventionellen Form der Landwirtschaft gehe die Artenvielfalt zurück. „Die Stadt wird daher mehr und mehr Zuflucht für die Artenvielfalt“, so die Doktorandin. Das bedeute, jeder könne mit der Blütenpflege auf Balkon und Garten selbst einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten. Die Schülerin Tridala Miiyala vom Schlossgymnasium Kirchheim stellte anschließend die vielfältigen Tätigkeiten der Bienen-AG an der Schule vor, von der Insektenbeobachtung, über das Pflanzen von Wildblumen bis zur Herstellung von Produkten wie Lippenbalsam und Kerzen. Der Hauptvortrag kam von Michael Glück, Doktorand an der Landesanstalt für Bienenkunde an der Uni Hohenheim. Er sprach zum Thema insektenfreundliche Städte und wie eine Zukunft der Bestäuber im urbanen Raum aussehen könnte.
Fester Bestandteil der Bienenkonferenz sind neben den Fach-Impulsen die „Hands-on-Aktivitäten“. So erläuterte Dr. Beate Hüttenmoser, Leiterin der HfWU-Lehr- und Versuchsgärten, welche Pflanzen die Bienen in der Stadt brauchen. Die Wissenschaftlerin Hannah Weinläder vom HfWU-Institut für Angewandte Agrarforschung bot mit „Insekten unter dem Binokular“ konkrete Anschauung. Bei Ikona Schrimpf vom Umweltbildungszentrum Listhof Reutlingen ging es darum, Insekten u.a. mit Künstlicher Intelligenz zu bestimmen. Felix Niklas vom Amt für Umweltschutz Stuttgart erläutert den „Lebensraum Totholz“ und wie einfach Schulgärten und Biotope angelet werden können. Maria Werner vom Naturkundemuseum Bunte Wiese Stuttgart zeigte, wie man konkret die heimische Insektenvielfalt schützt. Einen Infostand gab es zudem vom Bezirksimkerverein Nürtingen und Dr. Martin Denoix von der „Offenen Schulimkerei“ Ulm gab seine Erfahrungen mit dem Imkern an Schulen weiter.
Auch in diesem Jahr wurde die Bienenkonferenz großzügig von der Stiftung Naturraum und deren Gründer Rolf Mößmer unterstützt, der auch selbst vor Ort war. „Bildungsarbeit ist in der Stiftung ein zentraler Aspekt“, so Mößmer, „bei Kindern ist das besonders nachhaltig, weil sie eben das Gelernte und Erfahrene ein Leben lang weitertragen und sich engagieren.“ Die Bienenkonferenz, die auch im kommenden Jahr wieder stattfinden soll, zielt auf den Wissenstransfer und den Austausch. So kommen Schüler:innen aus Bienen-, Umwelt- und Nachhaltigkeit-AGs, Bio- und Seminarkursen mit ihren Lehrer:innen zusammen mit Imker:innen und Forscher:innen der HfWU, der Uni Hohenheim und weiterer Forschungseinrichtungen.