Sind Bienen die besseren Demokraten?

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Dr. Kirsten Traynor, Leiterin des Landesamts für Bienenkunde, sprach über die erstaunlichen sozialen Fähigkeiten der Honigbiene. (Foto: HfWU/renner)

„Honigbienen als demokratische Gesellschaft“ im Studium generale

NÜRTINGEN (hfwu). Honigbienen treffen in einem schrittweisen, quasi demokratischen Prozess überlebenswichtige Entscheidungen. Davon und von weiteren erstaunlichen sozialen Fähigkeiten der Insekten berichtete die Leiterin des Landesamts für Bienenkunde im Rahmen des Studium generale an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU).

Das menschliche Staatswesen genießt derzeit nicht den allerbesten Ruf. Vielleicht könnte es der Blick in einen Bienenstock richten. „Der Bienenstaat funktioniert rascher und effektiver als jedes menschliche Gemeinwesen“, ist Dr. Kirsten Traynor überzeugt. Die Biologin leitet die Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim und erforscht das Verhalten und die Kommunikation der Honigbienen.

Inzwischen wisse man viel über die Schwarmintelligenz der Pollensammlerinnen, darüber wie Kundschafterinnen verschiedene Orte inspizieren und ihre Entdeckungen mit einer abstrakten Tanzsprache mitteilen. Schritt für Schritt entstehe so ein demokratischer Entscheidungsprozess, bei dem sich die Mehrheit für den besten Ort durchsetze, „ein beeindruckendes Beispiel, wie aus vielen kleinen Beiträgen kluge Gemeinschaftsentscheidungen entstehen“, erklärte Traynor. Und doch: Nach mehr als hundert Jahren Bienenforschung sei nicht vollständig geklärt, wie sich 50.000 Arbeiterinnen als Gemeinwesen organisieren und ohne Anleitung verlässlich gute Entscheidungen treffen.

Für die Referentin, selbst Imkerin und Bienenkinderbuchautorin, ist ein Bienenvolk ein Superorganismus, der ganz unterschiedliche gemeinsame Aufgaben bewältigt. Pollen und Nektar werden gesammelt und weiterverarbeitet, Waben gebaut, die Brut gepflegt, die Temperatur im Stock geregelt, Feinde abgewehrt und das Schwärmen an einen neuen Standort organisiert. Unklar ist auch heute noch, wie entschieden wird, wer mit aufbricht und wer im Stock zurückbleibt.

Was können wir Demokratie-Menschen von Honigbienen lernen? Jeder und jede kann wichtige Informationen beitragen, sagt Traynor. Wie es die Bienen etwa beim Auskundschaften eines neuen Nistplatzes tun. Überzeugung statt Hierarchie: Gute Vorschläge erhalten mehr Unterstützung, schlechte verschwinden von selbst. Mehrheit allein genügt nicht: Eine Entscheidung fällt erst, wenn genügend Bienen unabhängig dieselbe Wahl treffen. Fehler können korrigiert werden: Ein Schwarm, der sich geteilt hat, schließt sich, wenn nötig, wieder zusammen. Eine gesellschaftliche Spaltung also können, zumindest die Bienen, überwinden.