NÜRTINGEN (hfwu). Neu im Weiterbildungsangebot der Akademie der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) ist der Zertifikatskurs „Kulturmanagement“. Im Rahmen des Kurses entwickeln die Teilnehmenden für renommierte Kultureinrichtungen konkrete Resonanzraum-Konzepte. Die Macherinnen und Macher stellten im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung unter der Leitfrage „Kultur – der soziale Kitt?“ die Themenfelder vor und boten Gelegenheit für Diskussion und Impulse zu dem Angebot, das im April startet.
„Kultur ist der soziale Kitt der Gesellschaft – nicht der Sekundenkleber für einzelne Stellen, sondern dauerhaft für die ganze Gesellschaft“, so eine Stimme am Ende der Veranstaltung an der HfWU in Nürtingen. Im Rahmen von thematischen Panels hatten namhafte Persönlichkeiten aus der Praxis des Kulturbetriebs mit den Anwesenden diskutiert. Allgemein ging es um Fragen zum Verhältnis von Kultur und Gesellschaft oder wie Kultureinrichtungen Begegnungsräume für einen konstruktiven und kreativen Austausch von Menschen im regionalen Raum schaffen können. Professor Dr. Rainer Nübel, einer der Initiatoren, geht in seiner Bewertung noch einen Schritt weiter. Begegnungsräume durch Kultur stabilisieren die Gesellschaft: „Demokratie braucht Räume, in denen polare Standpunkte diskutiert werden.“ Die oft zitierten „Bubbles“, Filterblasen, zerstörten dagegen den Diskurs. Vier Panels nahmen die Themen „Kultur in polarisierenden Krisenzeiten“, „Leadership in der Kultur“, „Kommunikation in Kultur und Kunst“ sowie „Finanzierung von Kultur und Kunst“ in den Blick. Impulse für die gemeinsame Diskussion kamen unter anderem vom Herausgeber und der Chefredakteurin des Fachmagazins Kulturmanagement.net, Dirk Schürz und Kristin Oswald, vom Journalisten und ehemaligen Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung, Christoph Dahl, von Marcus Fischer, Geschäftsführer der Freunde der Staatsgalerie Stuttgart, sowie der Stuttgarter Ballett-Tänzerin und Immobilienmanagerin Mona-Patricia Hartmann. SWR-Kulturredakteurin Silke Arning moderierte die Veranstaltung.
„Dem Kulturbetrieb ist zu eigen, dass hier ein eher starkes Senderbewusstsein herrscht“, so Kristin Oswald im Rahmen der Panel-Diskussion zum Thema Kommunikation. Daran sei im Prinzip nichts Schlechtes. „Aber kommunikativ spielt eben auch die Resonanz, also die Wirkung eine zentrale Rolle“, so die Magazinmacherin, „und damit die Frage, wen möchte ich erreichen, wo möchte ich Resonanzräume schaffen.“ Auch Dr. Anca Unertl, Inhaberin der Kulturmanagement-Agentur ArtisLogistics, betonte, es sei wichtig, „in der Kommunikation mehr Interesse am Gegenüber zu zeigen und auf eine ehrliche Kommunikation zu setzen“.
Gerade im Medien- und Kommunikationsbereich gehen mit den jüngsten Entwicklungen bei der Künstliche Intelligenz weitreichende Veränderungen einher. „KI verändert, wie Menschen sich über Kultur informieren“, ist Kristin Oswald überzeugt. „Die Jüngeren googeln nicht mehr, sondern suchen innerhalb von TikTok oder fragen direkt ChatGPT, was eine für sie interessante kulturelle Einrichtung oder Veranstaltung sein könnte.“ Das Feld digitalen Geschöpfen zu überlassen, davor warnte Christoph Dahl. „Wir erreichen die Menschen mit realen Idolen, mit wirklichen ‚Helden‘, nicht mit Avataren“, so der Ehrensenator der HfWU. Es sei möglich auch ein junges Publikum zu erreichen, „ohne den Gegenstand zu verraten“. Mit Blick auf die Social Media komme es darauf an, die Kommunikationsschwellen zu senken und nicht das Niveau der Inhalte.
Der Zertifikatskurs „Kulturmanagement“ an der HfWU Akademie in Nürtingen, der von der Karin-Abt-Straubinger-Stiftung gefördert wird, startet Ende April. Zu den Kooperationspartnern mit denen die Teilnehmenden an konkreten Projekten arbeiten gehören das Kunstmuseum Stuttgart, die Jazz Open, die Konzertdirektion Russ, das „Lokstoff – Theater im öffentlichen Raum“, die Wilde Bühne und die Alte Seegrasspinnerei in Nürtingen.