Ethik-Seminar: Glückliche Gier? Nachhaltigkeit, Menschenbild und das Streben nach einem gelingenden Leben. (1. Termin)

Datum und Veranstaltungsort: 05.11. – 05.11.2026 | 15:45-17:15 Uhr | Nürtingen, Neckarsteige 6-10, CI2 206 | Termin für Kalender exportieren (iCal .ics)

Dozent: Dr. Frank Töpfer
Termine: 5./12./19./26. November, 3. Dezember und 10. Dezember 2026, jeweils 15:45-17:15

Ort: Präsenz-Seminar in Nürtingen
Gebäude: CI2, Raum 206, Neckarsteige 6-10

Seminarbeschreibung:
Nachhaltigkeit ist ursprünglich ein Konzept der Forstwirtschaft: einen Wald so zu bewirtschaften, dass seine Produktivität langfristig erhalten bleibt. Nutzungsinteressen ist damit eine Grenze gesetzt, darüberhinausgehende Bedürfnisse sind zu zügeln. Und das nicht nur vorübergehend, sondern grundsätzlich. Was für die Forstwirtschaft entwickelt wurde, gilt für alle natürlichen Rohstoffe: Wo sie nachwachsen können, müssen sie nachhaltig bewirtschaftet werden, wo nicht, ist ihrer allmählichen Erschöpfung vorausschauend Rechnung zu tragen. Die Erfolgsaussichten des am Beginn der Neuzeit formulierten Programms der Wiedergewinnung des Paradieses auf Erden stehen damit nicht gut. Denn die darin erstrebte vollständige Befriedigung aller menschlichen Bedürfnisse setzt zu diesem Zweck auf schrankenlose Naturausbeutung.

Allein der Beherrschung der Natur soll, anders als in Antike und Mittelalter, fortan Wissenschaft dienen. Und wiederum im Unterschied zu Antike und Mittelalter kennt die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse kein ethisches Ideal des rechten Maßhaltens: Im grenzenlosen Mehrhabenwollen sieht der für den Beginn der Neuzeit repräsentative Denker Thomas Hobbes (1588-1679) die Triebfeder allen Handelns: mehr, als man schon hat, und mehr als die anderen. Darum begnügt die wissenschaftlich-technische Naturbeherrschung sich auch nicht damit, Mittel zur Befriedigung vorhandener Bedürfnisse zu gewinnen, sie stellt Möglichkeiten zur Befriedigung von Bedürfnissen bereit, die allererst zu wecken sind.

In der modernen Industriegesellschaft, schreibt der Psychoanalytiker Ernst Fromm, sei der Markt nicht mehr von vorhandenen Bedürfnissen bestimmt, sondern umgekehrt erzeugen Produktion, Werbung und Marketing fortwährend neue Bedürfnisse, für die anschließend die entsprechenden Waren bereitgestellt werden. Nicht-Nachhaltigkeit gehört damit in die Grundstruktur moderner Industriegesellschaften und solcher, die es werden wollen. Ein Umdenken hat entsprechend grundsätzlich anzusetzen.

Das Seminar fragt nach dem Zusammenhang von Menschenbild, gesellschaftlicher Produktion und dem Ideal eines gelingenden Lebens im Horizont eines Denkens der Nachhaltigkeit. Insbesondere sollen dabei auch gesellschaftliche Entwürfe zur Sprache kommen, die es als ihre zentrale Aufgabe – oder doch eine ihrer zentralen Aufgaben – ansehen, der Forderung nach einem nachhaltigen Leben gerecht zu werden.

Kurzvita Dr. Frank Töpfer
Studium der Philosophie, Germanistik, Soziologie und Erziehungswissenschaft (mit Erweiterung Psychologie) an den Universitäten Münster/Westf., Freiburg i.Br. und Tübingen.
2000-2011 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universität Tübingen.
Seit 2005 Lehrbeauftragter für das Ethisch-philosophische Grundlagenstudium an der Universität Freiburg i.Br.
2010 Gastprofessor für Philosophie an der Staatsuniversität Rio de Janeiro (UERJ).
Seit 2013 Lehrer für Ethik, Philosophie, Deutsch und Psychologie am Nürtinger Hölderlin-Gymnasium.

Kontakt: frank.toepfer@lb.hfwu.de

Anmeldung: Wir benötigen Ihre Anmeldung bis eine Woche vor Beginn über das Webformular auf der Homepage des Studium generale. Die Platzverabe erfolgt nach Eingang der Anmeldung und Verfügbarkeit.

Mit freundlicher Unterstützung: Zentrum für ethische Fragen im 21. Jahrhundert (ZEF21)