Weltpflüger und Bodenschoner

- Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) präsentiert Agrarstudiengänge und -Technik bei der Pflügerweltmeisterschaft -

Das HfWU-Team bei der Pflügerweltmeisterschaft: Prof. Dr. Albert Stoll, Stefan Würtele, Fabian Klein, Frederick Munz und Mario Bosch (v.l.). (Foto: HfWU/Renner)

NÜRTINGEN (hfwu). Die „65. Weltpflügermeisterschaft“ kürte die Besten der traditionellen Form der Bodenbearbeitung. Am Rande der Veranstaltung zeigte die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) moderne, bodenschonende Agrartechnologie.

Das Hofgut Einsiedel bei Tübingen war am Wochenende Schauplatz der „65. Weltpflügermeisterschaften“. Rund 20.000 Besucher kamen, um sich die Wettbewerbe und das umfangreiche Rahmenprogramm anzusehen. Die Pflügermeisterschaften zollen einer Kulturtechnik Tribut, die seit Jahrtausenden für ein gutes Saatbeet sorgt. Heute erledigen die Landwirte das Pflügen oft mit gigantischen Traktoren. „Es ist ein Entwicklungsstand erreicht, bei dem die Reifen oft an ihre Grenzen stoßen, die enorme Zugleistung der Traktoren verfügbar zu machen. Hier sind Alternativen gefragt“, erläutert HfWU-Professor Dr. Albert Stoll. Vier solcher alternativer Fahrwerkskonzepte konnten Interessierte am Stand der HfWU auf dem Gelände der Pflügerweltmeisterschaft in Beschau nehmen. Die Hersteller John Deere, Case und Claas hatten die entsprechenden Schlepper aufgefahren.

„Raupenlaufwerke zum Beispiel haben aufgrund der großen Aufstandsfläche eine bessere Traktion und oft einen geringeren Bodendruck als Standardreifen“, führt Stoll weiter aus. Voll- oder Teil-Raupenfahrwerke erlaubten zudem einen schonenden Einsatz von Traktoren unter nassen Einsatzbedingungen, im Herbst oder in der Landschaftspflege in Moorgebieten.

Eine weitere Möglichkeit, den Bodendruck der Reifen zu verringern, ist eine Reifendruckregelanlage. Mit ihr kann der Reifeninnendruck an die jeweiligen Einsatzbedingungen angepasst werden und so der Bodenverdichtung entgegengewirkt werden, zudem trägt der jeweils passende Reifendruck zu einer effizienteren Feldbewirtschaftung und geringerem Kraftstoffverbrauch bei. Bei einem weiteren Fahrwerkskonzept, das die HfWU präsentierte, können alle vier Traktor-Räder gelenkt werden. Diese Allradlenkungen erlauben eine Schrägstellung des Traktors, die auch Hundegang genannt wird. Damit fährt jedes Rad in einer eigenen Spur und die Last des Fahrzeugs wird entsprechend großflächig verteilt.

Auskunft zu den neuartigen Fahrwerken erteilten neben Stoll dessen Professoren-Kollegen Dr. Heinrich Schüle und Dr. Maria Müller-Lindenlauf sowie Mitarbeiter der Herstellerfirmen. Detaillierte Informationen zu den jeweiligen Konzepten gab es zudem anhand einer Poster-Präsentation, die der Agrarwirtschaftsstudent Frederick Munz im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit unter Leitung von Prof. Stoll erstellt hatte. Über die alternativen Antriebstechnologien hinaus informierte die Hochschule über ihre Studiengänge Agrarwirtschaft, Pferdewirtschaft und nachhaltige Agrar- und Ernährungswirtschaft.

„Die Hochschulen kümmern sich um den Nachwuchs in der Agrarwirtschaft und der ist auch im Fokus der Weltpflügermeisterschaft“, freut sich Dr. Monika Erath über die Kooperation mit der HfWU. Die Geschäftsführerin von Agrarkontakte International (AKI), der Organisation, die die 65. Weltpflügermeisterschaften durchführt, betont: „Es ist wichtig, dass mit Blick auf eine nachhaltige und zukunftsfähige Landwirtschaft Politik, Praxis, Verwaltung und Wissenschaft an einem Strang ziehen“. Die Weltpflügermeisterschaft sei deshalb nicht nur eine Leistungsschau und ein Berufswettkampf, sondern möchte mit ihrem umfassenden Rahmenprogramm das Verständnis für die ökonomischen und ökologischen Zusammenhänge der Nahrungsmittelproduktion und Landschaftspflege fördern.

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