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Geologisches Erbe schützen – und zeigen

Bild: (HfWU/ls) Professor Dr. Roman Lenz, Dekan der Fakultät Landschaftsarchitektur, Umwelt und Stadtplanung, mit der Referentin des Abends, Professor Dr. Heidi Megerle.

- Studium generale, an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) befasste sich mit Geoparks -

NÜRTINGEN (hfwu). Zu den ersten Veranstaltungen des Studium generale an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) gehörte ein Vortrag zum Schutz des geologischen Erbes. Auf der Schwäbischen Alb und in anderen Geoparks steht man vor der Frage, wie sich damit der wachsende Tourismus vereinen lässt.

Der Schutz von Natur und Kultur ist heute in unserer Gesellschaft immer mehr verankert. Doch wie sieht es mit unserem geologischen Erbe aus? „Auf der Geologie lastet noch immer manchmal der Ruf von verstaubten, langweiligen Steinen“, erklärt Prof. Dr. Heidi Megerle das Problem in der öffentlichen Wahrnehmung. Bei einem Vortrag im Rahmen des Studium generale an der HfWU, erklärte sie dieser Ruf ungerechtfertigt ist – und was dagegen getan werden kann.

Megerle ist Professorin für angewandte Geographie und Planung an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg am Neckar und gehört zu Mitbegründerinnen des Geoparks Schwäbische Alb. Auch die HfWU engagierte sich hier von Anfang an. Eine Entwicklung, worauf am Vortragsabend alle Beteiligten stolz sind, gibt ihnen doch die Erfolgsgeschichte des Geoparks Schwäbische Alb recht. Seit rund 20 Jahren setzt man sich in der Region für den Schutz der Gesteine und damit der Dokumentation der Erdgeschichte ein. 2015 hat die UNESCO nachgezogen und das Programm UNESCO Global Geoparks ins Leben gerufen. Damit verleiht die weltweit agierende Organisation nicht mehr nur Biosphärenreservaten und Kulturerbe Auszeichnungen, sondern auch geologisch wertvollen Gebieten. Die Schwäbische Alb erhielt die Auszeichnung sofort.

Der Grund für die Schutzwürdigkeit der Gebiete liege auf der Hand, findet Megerle. In Baden-Württemberg ist die Geologie außergewöhnlich vielseitig. Nach wenige Kilometern Fahrt kann man eine andere Landschaftsform erreichen. Über eine Million Jahre Erdgeschichte werde hier begreifbar.

Voraussetzung für die Aufnahme in die Liste der UNESCO Global Geoparks ist unter anderem, dass sich an den Orten um nachhaltige Regionalentwicklung gekümmert wird. Zudem muss der Park öffentlich zugänglich und verständlich gemacht werden. Allerdings könnte der Massentourismus das schützenswerte geologische Erbe gefährden. Dies war ein Streitpunkt während der Diskussion nach dem Vortrag. Megerle spricht sich dafür aus, in der Vermittlung anzusetzen. Beim Thema Mitnahme von seltenen Fossilien erklärte sie etwa: „Im Umweltsteinbruch Holzmaden wurden gute Erfahrungen mit Ansprechpartnern vor Ort gemacht. Wenn ein Tourist etwas Außergewöhnliches findet, gibt er in der Regel Bescheid, solange jemand vor Ort ist.“ Wenn man dem Finder dann erkläre: 'Dieses Stück gehört in ein Museum' sehe der Besucher das ein. Doch beim Thema Vermittlung sieht Megerle noch mehr Potential: „Wir haben heute in Europa teilweise Infotafeln, die nicht mal wir Experten ganz verstehen. Wenn es Infotafeln gibt, müssen diese besser aufbereitet werden.“ Zudem spricht sich die Professorin dafür aus, Geoparks für Kinder mit allen Sinnen erlebbar zu machen.

Unter dem Titel „UNESCO-Welterbe – die Herausforderungen des Bewahrens“ sind im Rahmen der öffentlichen Reihe weitere Vorträge geplant. Am 7. November spricht Patricia Alberth zu dem Thema „Erhalt und Erlebnis – Welterbe als Tourismusmagnet“. Detaillierte Informationen und das komplette Studium generale-Programm der HfWU finden sich unter www.hfwu.de/studium-generale.

 
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