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Glitzer, Glamour und Geld

Bernhard Kurz entführte die Zuhörer in die bunt schillernde und in die harte ökonomische Welt der Musicals.

- Vortrag an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen zum Musical-Business -

NÜRTINGEN (hfwu). „Cats“, „Starlight Express“, „Phantom der Oper“ – die Musicals entführen die Zuschauer in eine Traumwelt. Dass aus dieser längst auch ein hart umkämpfter Markt und Spielball von Investoren geworden ist, darüber berichtete Bernhard Kurz in einem Vortrag an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen.

Auf der Bühne ist es der Glitzer und der Glamour, hinter den Kulissen zählt das Geld. „Es gab einen Zeitpunkt da waren an der Stella AG bis zu 50 verschiedene Investoren beteiligt, das ‚Phantom der Oper‘ wurde über einen 3-Länder-Fond finanziert“, dies berichtete Bernhard Kurz im Rahmen seines Vortrags, den die HfWU zusammen mit dem Rotary Club Nürtingen-Kirchheim/Teck organisiert hatte. Rund 70 Interessierte waren zu der Studium-generale-Veranstaltung an die Hochschule gekommen.

Kurz war bis Anfang der 90er Jahre Geschäftsführer der Stella Produktionsgesellschaft und maßgeblich für die Erfolge von „Cats“, „Das Phantom der Oper“ und „Starlight Express“ verantwortlich. Heute ist der gebürtige Nürtinger mit „Stars in Concert“ der letzte selbstständige Produzent in Deutschland hinter dem kein großer Konzern steht.

Zu Beginn des Musical-Booms schafften es die Produktionen, die Investitions- und die laufenden Kosten innerhalb eines halben Jahrs einzuspielen, blickt Kurz auf die Anfänge des Showgeschäfts in Hamburg zurück. Nach einem Wechsel in der Stella-Geschäftsführung stiegen die Produktionskosten in weit höherem Maß als die Umsätze – das Unternehmen kam in wirtschaftliche Schwierigkeiten, der große Erfolg wandte sich ins Gegenteil. Das Musical-Geschäft lockte immer mehr Konkurrenten an, die Geschäftsmodelle wurden erweitert. So etwa kauften Investoren Opernhäuser und traten als Vermieter auf den Markt. Gleichzeitig begann der Musical-Boom langsam abzuklingen. Für die Veranstalter stiegen die Kosten während die Gewinne sanken. „An diesem Punkt verabschiedete sich die Oper vom Kulturgut und wurde zum Spielball von Investoren“, so die Einschätzung von Kurz.

Zu den aktuellen Problemen des Geschäfts gehört für den Musical-Macher der Umstand, dass die Gehälter der Künstler seit 30 Jahren kaum gestiegen sind. Gleichzeitig verlangten die Ticketverkäufer horrende Gebühren und trieben so die Kosten in die Höhe. Seiner Meinung nach sind es die Ticketverkäufer, die am meisten von diesem System profitieren und 20 bis 30 Prozent des Ticketpreises einstreichen. Nur 15 Prozent blieben für die Künstler übrig. Hinter den Kulissen gäbe es viele Intrigen, große Konzerne hätten die Marktmacht und nutzen diese um Wettbewerber aus dem Geschäft zu drängen.

Kurz ermöglichte mit vielen Zahlen und dem ökonomischen Hintergrund einen so eindrücklichen wie nüchternen anderen Blick auf die sonst so schillernde Musicalwelt. Auf die Frage aus dem Publikum im Anschluss an seinen Vortrag, was sein persönliches Erfolgsrezept sei, sagte der Musical-Manager: „Wie mit einem guten Coach im Sport ist es auch mit einem guten Manager. Er sollte optimistisch und ehrlich sein, zuhören können, Erfahrung und Geduld haben. Und gutes Coaching heißt auch, seinen Mitarbeitern Vertrauen zu schenken und sie gleichsam inspirieren zu können.“ Auch in Zeiten in denen virtuelle Welten zunehmend an Reiz gewinnen sieht Kurz eine Zukunft gerade der live Auftritte und der Interaktion mit dem Publikum. Zurzeit liegt der Fokus des Traumweltmachers auf sogenannten Tribute-Musicals, Produktionen, die das Leben von bereits verstorbenen oder nicht mehr aktiven Künstlern zum Thema machen. Sein Anspruch: Eine so berührende Atmosphäre „wie damals live bei den Konzerten kreieren.“

 
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