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Eine Reise für eine bessere Zukunft Gambias

Julia Rieger und Christian Arndt berichteten aus Gambia und vom dort geplanten Solar Village.

- Bericht einer Expeditionsreise nach Gambia -

NÜRTINGEN (hfwu). Vertreter der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) und eine Gruppe Nürtinger Bürger begaben sich auf eine Sondierungsreise nach Gambia. Zwei der Teilnehmer berichteten nun an der HfWU von der eindrücklichen Reise, vom Leben in der Großfamilie, der Gesundheitsversorgung, den Gesprächen mit verschiedenen Organisationen und politischen Vertretern und dem Projekt Solar Village.

Ins Bewusstsein der Menschen in Deutschland tritt Gambia meist erst mit den Menschen, die von dort nach Europa fliehen. Schätzungsweise 60.000 waren dies in den vergangenen Jahren. Davon leben nun rund 10.000 in Baden-Württemberg. Im Januar unternahmen Vertreter der HfWU und eine Gruppe Nürtinger Bürger eine Sondierungsreise in das kleinste Land Afrikas, das am Lauf des gleichnamigen Flusses liegt. "Auf der Suche nach Fluchtursachen, Rückkehrchancen und einem Platz für ein Solar Village" unter diesem Titel berichteten Professor Dr. Christian Arndt und Julia Rieger, Geschäftsführerin des Trägervereins Freies Kinderhaus (TVK), an der HfWU von der Reise. Die Veranstaltung des Studium generale der Hochschule fand im Rahmen der Nürtinger Energietage und in Kooperation mit dem afrikanischen Kulturverein NAMÉL statt, rund 170 Interessierte waren an die HfWU gekommen.

Das Solar Village, ein Siedlungsprojekt von und für Gambier, soll rückkehrenden Flüchtlingen und den jungen Menschen vor Ort eine Perspektive bieten und dabei gemeinschaftsfördernd und genossenschaftlich organisiert werden. Neben einem Angebot für Arbeit und gesicherter Unterkunft soll das Dorf den eigenen Bedarf an Energie selbst erzeugen und dabei erneuerbarer Energien nutzen. Zum Village könnten Werkstätten für die Reparatur von Autos und Fahrrädern gehören, eine Schreinerei, aber auch Garten- und Ackerbau, Wohnareale und Räume für Gäste sind Teil des Konzepts. Arndt und Rieger berichteten zudem von einem Land mit einem der schönste Abschnitte der westafrikanischen Atlantikküste, einer atemberaubenden Vielfalt an Flora und Fauna.

Die beeindruckende Natur steht im Gegensatz zu den ökonomischen Verhältnissen. Gambia liegt wirtschaftlich am Boden. Die Demokratie steckt noch in den Kinderschuhen. Das neue politische System ist erst zwei Jahre alt. 22 Jahre herrschte ein diktatorisches Regime. Laut neuesten Zahlen des gambischen Amts für Statistik sind von den 2,3 Millionen Einwohnern 43 Prozent jünger als 15 Jahre, berichtete Christian Arndt. Die Arbeitslosigkeit beträgt etwa 35 Prozent. Viele versuchen, aus ländlichen Regionen in die Stadt zu ziehen, wo die Arbeitslosigkeit aber häufig noch höher ist. Vor allem die jungen Menschen sind frustriert. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt 42 Prozent, die Chancen auf eine Ausbildungsmöglichkeit sind gering.

Im Rahmen der Reise konnten sich die Teilnehmer bei Treffen mit verschiedenen privaten, staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen, UN-Vertretern, gewählten Politikern und Stammesältesten einen genauen Eindruck von der aktuellen Situation und möglichen Entwicklungschancen machen. Die Teilnehmer sind mit vielen Ideen zurückgekehrt, wie dem gastfreundlichen Land und seinen Leuten, von denen sie immer offen empfangen wurden, strukturell geholfen werden kann. "Die Demokratie und Mitsprache zu stärken ist eine der wichtigsten Möglichkeiten, die Entwicklung des Landes voranzubringen", so Christian Arndt.

 
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