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Der Doktor wird digitaler

Dr. Stephan Schweizer referierte im Rahmen des Studium generale an der HfWU.

- Vortrag zu Digital Health an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Geislingen -

NÜRTINGEN. (hfwu) Mit einer elektronischen Gesundheitskarte ließen sich Milliarden im Gesundheitswesen einsparen. Sensible Patientendaten könnten aber auch Hacker auf den Plan rufen. Anhand von Beispielen wie diesen zeigte ein Vortrag an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Geislingen (Steige) Chancen und Risiken im Themenfeld digitale Gesundheit auf.

Daten sind der Rohstoff der Zukunft. Das mit Blick auf das 21. Jahrhundert oft formulierte Postulat gilt auch und insbesondere für den Gesundheitsbereich. Dies machte Dr. Stephan Schweizer gleich zu Beginn seines Vortrags im Rahmen des Studium generale an der HfWU in Geislingen deutlich. Allerdings stecken die Möglichkeiten hier noch in den Kinderschuhen. In eingeschränkter Form ist die Telemedizin in Deutschland erst seit Mai dieses Jahres erlaubt. Mit docdirekt hat die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg vor kurzem als erste Kassenärztliche Vereinigung ein Telemedizin-Projekt auf den Weg gebracht. Per Telefon oder Videotelefonie können Patienten in Baden-Württemberg mit der App medizinische Beratung von niedergelassenen Ärzten erhalten.

Neben der Telemedizin ist Big Data, die Analyse von großen Datenmengen, im Gesundheitsbereich eines der großen Zukunftsthemen. Programme könnten den Ärzten in Sekundenschnelle ermöglichen, auf tausende von Studien, Diagnosen und Patientendaten zuzugreifen, um so bestmöglich für eine Therapieentscheidung informiert zu sein. Der Versuch, die elektronische Gesundheitskarte einzuführen, hat bis dato nach Einschätzung von Schweizer vor allem Kosten in Milliardenhöhe verursacht. Der rigide Datenschutz, intensive Lobbyarbeit und Probleme mit der technischen Infrastruktur sieht Schweizer in Deutschland als Hauptgründe für die bisher gescheiterte Etablierung der Karte. Dabei ließen sich mit der Technologie nach einer Studie von McKinsey über 30 Milliarden Euro jährlich einsparen.

Pionier auf diesem Feld sei Estland. Dort gebe es eine entsprechende Karte bereits seit über 15 Jahren, auch Krankendaten und Rezepte werden mittlerweile über die Karte ausgetauscht, 95 der Gesundheitsdaten würden in Estland digital erfasst. Neben den Chancen, die mit einer Digitalisierung im Gesundheitswesen verbunden sind, verwies Schweizer auf die Risiken. „Auch ein Herzschrittmacher kann gehackt werden“, so der Geschäftsführer eines Anbieters für Krankenhausbedarf. Generell gehörten Gesundheitsdaten zu den sensibelsten Daten überhaupt. Wichtig sei, sich sehr klar darüber zu werden, wo man gerade im Gesundheitsbereich die Grenzen für die Erschließung und Verwendung des Rohstoffs der 21. Jahrhunderts zieht.

 
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