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27.07.2012 10:16
By: Udo Renner

Späte Ehren für alte Ähren

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- Professor Sneyd und Bäckerhaus Veit erhalten den alten Dickkopfweizen -

(Bild/HfWU/üke) Eine Million Ähren im Schatten der Burg Hohenneuffen. Sie sind gespannt auf die erste Ernte des alten Dickkopfweizen: Biolandbauer Thomas Fuhr, Prof. Dr. Jan Sneyd, Haldenhofeigentümer Martin Schnerring, Vollkornbäcker Hubert Berger und Prof. Dr. Roman Lenz, Vorsitzender des Convivium Slow-Food Stuttgart (v.l.n.r.).

Erdmute Veit-Murray, Initiatorin des Dickkopf-Rekultivierungsprojektes, im Dickkopffeld Haldenhof.

NÜRTINGEN. (hfwu) Dickkopfweizensorten werden in unseren Breiten längst nicht mehr angebaut. Sie gelten als praktisch ausgestorben. Dr. Jan Sneyd, pensionierter Professor der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU), will dem alten Getreide zusammen mit Erdmute Veit-Murray, der Geschäftsführerin des Bäckerhauses Veit in Bempflingen, eine Chance zur Wiedergeburt geben.

Zu Unrecht ist ihrer Meinung nach dieser hochwertige Brotweizen von neuen Sorten völlig verdrängt worden. Dabei steht die alte Ähre für Regionalität und Nachhaltigkeit. Sneyds Kampf um die aussterbende Weizensorte begann vor rund zwölf Jahren. Damals noch als aktiver Hochschulprofessor fand er in seiner Sammlung alter Sorten ein unscheinbares Säckchen mit Samen. So richtig einordnen konnte Sneyd seinen Fund zunächst nicht. Dieser entpuppte sich später als hochwertiges Korn mit breiteren, dickkopfähnlichen Ähren. Nachdem das Korn zum ersten Mal unter anderem auf einem Feld im Freilichtmuseum Beuren angebaut wurde, blieb nach der Ernte eine kleine Probe übrig.

Ein Glücksfall für Sneyd war, dass sich das Bäckerhaus Veit für das alte Getreide interessierte. Die ersten Backversuche sind erfolgreich verlaufen, das alte Korn zeigt eine hohe Backfähigkeit. In diesem Sommer nun kommen Sneyd und das Bäckerhaus Veit der Vermarktung des Dickkopfweizens einen großen Schritt näher: Rund eine Million Ähren stehen auf einem Feld des Haldenhofs in Balzholz kurz vor der Ernte. Sneyd rechnet damit, dass dann rund vier Tonnen Getreide zu den ersten Dickkopfweizen Backwaren verarbeitet werden können. Wenn der Ertrag stimmt, sollen die ersten Backwaren im Herbst beim Slow Food Tag in Beuren, beim Veit Bauern- und Biosphärenmarkt und auf der Schön & Gut Messe in Münsingen zu kaufen sein. Nicht nur das Bäckerhaus Veit wartet auf den neuen alten Weizen, auch die Vollkornbäckerei Berger in Reutlingen und der Biolandhof Fuhr aus Degerschlacht sind an der Bio-Variante interessiert. Der Renaissance des alten Weizens steht also wenig im Wege.

Im Gegenteil: Es läuft bereits ein Antrag bei der Organisation Slow Food, den Dickkopfweizen in die „Arche des guten Geschmacks“ aufzunehmen. Dies ist die höchste Auszeichnung, die Slow Food zu vergeben hat. Als eine alte regionale Weizensorte, so der Vorsitzende der Arche Kommission Deutschland Professor Dr. Roman Lenz, hat der Dickkopfweizen alle notwendigen Kriterien erfüllt. Er besitzt eine sehr gute Backqualität und einen hohen Eiweißgehalt und wurde bereits in die „Rote Liste bedrohter einheimischer Nutzpflanzen“ aufgenommen. Jan Sneyd freut sich auf die ersten Dickkopfprodukte des Bäckerhauses Veit. Die Frage ist nun, wie die Verbraucher die Backwaren annehmen. Am 23. September kann man während des „Slow Food Tages“ die ersten Backwaren aus Dickkopfweizen im Beurener Freilichtmuseum verkosten.

 

Autor: Gerhard Schmücker

Nürtingen, 25.07.2012


Letzte Änderung: 03.04.2014 - 11:43:42 
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